Waschbär (Procyon lotor) gefunden – Was ist zu tun
Immer häufiger werden in Deutschland Waschbären (wissenschaftlicher Name: Procyon lotor) gesichtet – sei es in Gärten, Dachböden, Parks oder am Straßenrand. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen einen hilflosen oder verletzten Waschbären, insbesondere Jungtiere, finden. Hier finden Sie erste Hilfestellungen, wie in einer solchen Situation richtig gehandelt wird. Dabei werden sowohl rechtliche Aspekte als auch praktische Hinweise zur Erstversorgung und zum Umgang mit den Tieren gegeben.
Kurze Beschreibung:
Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein mittelgroßes Säugetier, das ursprünglich aus Nordamerika stammt. Er ist leicht an seiner typischen „Gesichtsmaske“, dem buschigen Schwanz mit Ringen und seinem dichten Fell zu erkennen. Waschbären sind anpassungsfähig und fühlen sich oft auch in der Nähe von Menschen wohl, was zu vermehrten Begegnungen führt.
Rechtliche Grundlagen: Tierschutz, Jagdrecht, Bundesnaturschutzgesetz
Beim Fund eines Waschbären sind mehrere Gesetze zu beachten:
- Tierschutzgesetz (TierSchG): Dieses Gesetz schreibt vor, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Wer ein verletztes oder hilfloses Tier findet, ist verpflichtet, ihm im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen oder Hilfe zu organisieren.
- Jagdrecht: Der Waschbär zählt in Deutschland zu den jagdbaren Arten, steht aber außerhalb der Jagdzeiten unter besonderem Schutz. Das heißt, er darf nicht ohne Genehmigung gefangen, gehalten oder getötet werden. Ausnahme: Bei verletzten oder hilflosen Tieren ist Erste Hilfe und eine vorübergehende Aufnahme erlaubt, bis professionelle Hilfe verfügbar ist.
- Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): Waschbären gelten als invasive Art. Dennoch ist das Wohl des einzelnen Tieres zu achten. Die Entnahme aus der Natur und die weitere Haltung sind gesetzlich geregelt und meist nur in Notfällen übergangsweise zulässig.
Im Zweifel sollten immer die zuständigen Behörden, etwa das Veterinäramt, die untere Naturschutzbehörde oder eine Wildtierstation, kontaktiert werden.
Wann ist ein Waschbär hilfebedürftig?
Nicht jeder gefundene Waschbär benötigt Hilfe. Hilfebedürftig sind Tiere, die:
- offensichtlich verletzt oder krank sind (z. B. blutende Wunden, Lahmheit, Schwäche)
- orientierungslos oder apathisch wirken
- sich in Gefahrensituationen befinden (z. B. auf Straßen, in Schächten, eingeklemmt)
- Jungtiere (Babys), die allein, ruhelos rufend und ohne Mutter angetroffen werden, besonders wenn sie sichtbar unterkühlt oder ausgehungert sind
- Junge Waschbären erkunden ab einem Alter von wenigen Wochen ihre Umgebung und können dabei kurzfristig allein auftauchen.
- Solange sie gesund wirken und die Mutter in der Nähe ist (oft zu beobachten), ist kein Eingreifen notwendig.
- Erst wenn nach längerer Beobachtung (mindestens 1–2 Stunden, möglichst aus Distanz) keine Mutter erscheint oder das Tier in Gefahr ist, sollte gehandelt werden.
Umgang mit Baby- und verletzten Waschbären
- Jungtiere und verletzte Waschbären benötigen besondere Vorsicht.
- Waschbären können sich bei Stress verteidigen, (beißen und kratzen) Handschuhe sind bei jeder Annäherung Pflicht
- Niemals sollte das Tier mit bloßen Händen berührt werden.
- Bei Jungtieren gilt: Zunächst beobachten! Wenn tatsächlich Hilfe nötig ist, das Tier vorsichtig sichern (siehe unten) und möglichst rasch eine Wildtierstation oder einen Tierarzt kontaktieren.
- Verletzte Tiere sollten möglichst wenig gestresst und nicht unnötig bewegt werden.
Sicherung des Tieres: praktische Hinweise
- Tragen Sie immer feste Handschuhe, um Biss- und Kratzverletzungen zu vermeiden.
- Nutzen Sie, falls möglich, einen stabilen Karton mit Luftlöchern, eine Transportbox und eine dicke Decke, um das Tier behutsam aufzunehmen.
- Das Tier niemals an Schwanz oder Beinen hochheben – immer den ganzen Körper stützen.
- Die Sicherung sollte ruhig und zügig erfolgen; laute Geräusche und Hektik vermeiden.
- Nach der Sicherung sofort professionelle Hilfe verständigen.
Erstversorgung: Sofortmaßnahmen
Nach der Sicherung sollten folgende Schritte beachtet werden:
- Das Tier an einen warmen, ruhigen, abgedunkelten Ort bringen – direkte Sonne, Zugluft und Lärm vermeiden. Haustiere und Kinder fernhalten
- Jungtiere ggf. mit einer lauwarmen (nicht heißen!) Wärmflasche oder einer PET-Flasche mit warmem Wasser und Handtuch versorgen.
- Keine Zwangsfütterung oder Flüssigkeitsgabe! Verletzte und geschwächte Tiere könnten sich verschlucken oder aspirieren.
- Das Tier regelmäßig kontrollieren, aber nicht unnötig stören.
- Schnellstmöglich eine Wildtierstation, einen Tierarzt oder das zuständige Behörde kontaktieren.
Richtige Unterbringung: temporäre Lösungen
- Für die kurzfristige Unterbringung eignet sich ein stabiler, gut belüfteter Karton oder eine Transportbox.
- Die Box sollte mit einem Handtuch oder einer Decke ausgelegt werden.
- Waschbären sind Kletterkünstler – die Box muss sicher verschlossen sein.
- Jungtiere benötigen zusätzliche Wärme.
- Die Unterbringung sollte nur vorübergehend sein, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Geeignete Nahrung für Waschbären
- Ist eine Fütterung unvermeidbar (z. B. bei sehr jungen Jungtieren und längerer Wartezeit auf Hilfe), eignen sich folgende Nahrungsmittel:
- Babys (milchpflichtig): Niemals Kuhmilch geben! Besser ist spezielle Welpenmilch aus dem Tierhandel, im Notfall ungesüßter Fencheltee oder elektrolythaltige Glukoselösung.
- Die Fütterung sollte nach Rücksprache mit Experten erfolgen.
- Ältere Jungtiere und Erwachsene: Gekochtes Ei, klein geschnittenes Obst, Katzen- oder Hundefutter (feucht), ungesalzene Nüsse.
- Wasser sollte immer angeboten werden. Füttern Sie nur kleine Mengen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Rückführung zur Mutter: Möglichkeiten und Vorgehen
- Wenn ein Jungtier gefunden wird, ist die Rückführung zur Mutter immer die beste Lösung.
- Dazu sollte das Baby möglichst in der Nähe des Fundorts, an einem geschützten, Platz (z. B. in einer offenen Box oder Karton v) platziert werden
- Die Mutter nimmt ihr Junges meist in der Dämmerung zurück, falls sie in der Nähe ist.
- Währenddessen den Bereich beobachten, aber Abstand halten.
- Wenn das Jungtier nach mehreren Stunden (über Nacht) nicht abgeholt wird, sollte professionelle Hilfe eingeschaltet werden.
Hinweise auf Ansprechpartner
- Wer einen Waschbären findet, sollte sich zunächst einen Überblick verschaffen und vorsichtig handeln.
- Rechtliche Vorgaben aus Tierschutz-, Jagd- und Naturschutzrecht sind einzuhalten.
- Hilfebedürftige Tiere – insbesondere verletzte Tiere oder mutterlose Jungtiere sichern.
- Die Sicherung und Erstversorgung sollten ruhig und umsichtig erfolgen.
- Die Unterbringung und Fütterung sind nur Übergangslösungen bis zur Übergabe an Experten.
- Für weitere Unterstützung stehen Wildtierstationen, Tierärzte, das Veterinäramt und untere Jagdbehörde zur Verfügung.
- Im Zweifel lieber einmal mehr als einmal zu wenig fachkundigen Rat einholen.
- Zu beachten ist, dass invasive Arten wie der Waschbär laut geltender Vorschriften nicht mehr in die Natur zurückgeführt werden dürfen.
- Die Sicherung und Betreuung eines Waschbären sollte daher gut überdacht und immer in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden erfolgen, um rechtliche Vorgaben einzuhalten und ökologische Schäden zu vermeiden.