Specht gefunden – was tun

Bedeutung und Vorkommen von Spechten in Deutschland

 

Spechte bereichern unsere Natur durch ihre einzigartige Lebensweise und ihre wichtige Rolle als „Forsthelfer“. Ihre Vielfalt umfasst neben den bekannten Arten auch seltenere Vertreter wie den Wendehals.

  • Buntspecht (Dendrocopos major): Der Buntspecht schwarz-weißes Gefieder mit leuchtend rotem Unterbauch. Männchen haben zusätzlich einen roten Fleck am Hinterkopf, während Weibchen dort schwarz sind.
  • Grünspecht (Picus viridis): Auffällig ist das leuchtend grüne Gefieder, der gelbliche Bürzel und das rote „Scheitelkäppchen“.
  • Schwarzspecht (Dryocopus martius): Der größte einheimische Specht, komplett schwarzes Gefieder und ein markantes rotes Kopfkäppchen, das beim Männchen den gesamten Oberkopf bedeckt.
  • Kleinspecht (Dendrocopos minor): Sehr kleiner Specht mit schwarz-weißem Gefieder und rotem Oberkopf beim Männchen. Die Unterseite ist überwiegend weiß, die schwarzen Streifen am Kopf sind fein gezeichnet.
  • Mittelspecht (Dendrocopos medius): Erkennbar an seiner weißen Stirn, dem roten Scheitel und den hellen Wangen. Die Brust ist leicht rosafarben, die Flügel zeigen eine feine Bänderung.
  • Grauspecht (Picus canus): Grau-grünes Gefieder, ein grauer Kopf und beim Männchen ein kleiner roter Stirnfleck kennzeichnen den Grauspecht. Sein Ruf erinnert an den des Grünspechts, klingt aber etwas klagender.
  • Wendehals (Jynx torquilla): Der Wendehals ist zwar eine Spechtart, unterscheidet sich aber deutlich von den anderen durch sein tarnendes bräunlich-graues Gefieder und das auffällige Verhalten, bei Gefahr den Hals spiralförmig zu verdrehen. Er ist vor allem im Frühling und Sommer in offenen Landschaften mit Streuobstwiesen anzutreffen und überwintert in Afrika.

 

Nahrung: Was Spechte fressen und wie sie Nahrung finden

 

  • Spechte, einschließlich des Wendehalses, ernähren sich vorwiegend von Insekten, deren Larven, Ameisen und Spinnen.
  • Während die klassischen Spechte Insekten unter der Rinde oder im Holz suchen, ist der Wendehals ein Spezialist für Ameisen und deren Puppen, die er mit seiner langen, klebrigen Zunge am Boden aufnimmt.
  • Im Herbst und Winter können auch Samen und Beeren ergänzt werden.

 

Wann ist ein Specht hilfebedürftig?

 

  • Der Vogel sitzt apathisch am Boden und versucht nicht zu fliehen.
  • Er ist verletzt, zeigt offene Wunden, hinkt oder hält einen Flügel unnatürlich.
  • Er ist stark aufgeplustert, wirkt schwach oder reagiert kaum auf äußere Reize.
  • Junge Spechte, die außerhalb der Brutzeit am Boden gefunden werden und deren Eltern nicht in der Nähe sind.
  • Der Specht gerät in Gefahr durch Katzen, Hunde oder Straßenverkehr und kann sich nicht retten.

In solchen Fällen ist schnelle Hilfe gefragt, wobei immer abgewogen werden sollte, ob das Tier wirklich in Gefahr ist. Nicht jeder am Boden gefundene Jungvogel benötigt zwingend Hilfe – oft sind die Eltern noch in der Nähe und versorgen ihn weiter.

Wie sichere ich einen Specht richtig?

Die richtige Handhabung eines Spechts ist besonders wichtig, da diese Vögel sehr stressanfällig sind und sich mit ihrem kräftigen Schnabel verteidigen können. Gehen Sie wie folgt vor:

  • Annähern mit ruhigen, langsamen Bewegungen, um das Tier nicht zu erschrecken.
  • Handschuhe tragen, um den Vogel möglichst wenig zu berühren.
  • Den Specht vorsichtig von hinten greifen, sodass die Flügel am Körper anliegen. Den Kopf möglichst frei lassen, damit der Vogel atmen kann.
  • Schnell in eine kleine, gut belüftete Box setzen, vorzugsweise mit weichem Tuch am Boden und einem Ast oder etwas Rinde als Kletterhilfe.
  • Die Box an einen ruhigen, warmen Ort stellen, fernhalten von Haustierenund Kindern.
  • Möglichst bald eine fachkundige Stelle (Wildvogel – Wildtierauffangstation station, Tierarzt oder Naturschutzorganisation) kontaktieren.

 

Füttern oder Tränken Sie den Vogel nicht eigenständig, da dies mehr schaden als nützen kann. Die Pflege und Versorgung sollte zeitnah von Expert*innen übernommen werden.

Gesetzgebung

Alle heimischen und gelegentlich vorkommenden Spechtarten, darunter auch der Wendehals (Jynx torquilla), stehen nach Bundesnaturschutzgesetz § 44 Absatz 1 unter strengem Schutz. Dieser Paragraph besagt:

  • Es ist verboten, wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen zu entnehmen.
  • Ebenso ist es untersagt, deren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören.
  • Die Haltung in menschlicher Obhut ist ohne behördliche Genehmigung nicht gestattet.

 

Spechte, darunter auch der seltene Wendehals (Jynx torquilla), sind durch ihre Lebensweise und Vielfalt wertvolle Bestandteile unserer Natur. Ihr Schutz nach § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz ist essenziell für den Erhalt der Arten, und besondere Fürsorge gilt im Fall einer Verletzung – stets unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben und mit rascher Kontaktaufnahme zu Fachleuten.