Fledermaus gefunden – was tun
Vorsicht:
Manche Stellen raten oft per Telefon die Tiere einfach am Fundort hängen zu lassen oder an einen Baum zu hängen und am nächsten Tag nochmal zu schauen ob es noch da sei. Dieser Rat ist falsch und für das Tier kann er tödlich sei. Wahrscheinlich ist das Tier nicht mehr da, weil es entweder einem Fressfeind zum Opfer gefallen ist, mit letzter Kraft davon gekrabbelt oder versucht hat wegzufliegen und irgendwo um die Ecke im Gebüsch liegt. Die Wahrscheinlichkeit dass das Tierchen noch lebt, ist sehr gering.
Rechtliche Grundlagen:
Alle Fledermäuse unterliegen dem besonderen Schutz nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und den europäischen FFH-Richtlinien. Das bedeutet, dass sie nicht gestört, gefangen oder verletzt werden dürfen. Bei Funden ist immer eine Wildtierstation zu kontaktieren.
Wann ist eine Fledermaus hilfebedürftig?
- Fledermäuse benötigen immer Hilfe, wenn sie tagsüber gefunden werden
- verletzt sind, von Katzen gebracht wurden
- Jungtiere alleine draußen aufgefunden werden
- ein Tier bei Kälte draußen liegt
Nahrung der Fledermaus
- Fledermäuse sind Insektenfresser. Ihr Speiseplan besteht aus Fliegen, Mücken, Käfern, Nachtfaltern, Spinnen und anderen kleinen Insekten.
- Sie jagen in der Dämmerung und Nacht mithilfe der Echoortung.
- Einige größere Arten können auch kleine Wirbeltiere oder sogar Fische erbeuten.
- Für geschwächte Tiere oder Jungtiere eignen sich im Notfall Insektenersatzfutter (z. B. Heimchen)
- niemals dürfen Fledermäuse mit Kuhmilch oder Obst versorgt werden.
Rückführung eines Jungtieres
- Wird ein Jungtier gefunden, ist es meist aus dem Quartier gefallen
- Jungtiere sollten möglichst rasch und vorsichtig (mit Handschuhen!) ins sichere Quartier zurückgebracht werden.
- Das kann gelingen, indem das Jungtier abends in die Nähe des Fundorts gebracht wird, sodass die Mutter es hören und wieder aufnehmen kann.
- Dabei darauf achten, dass das Tier vor Katzen und anderen Gefahren geschützt ist.
- Keinesfalls sollte das Tier tagsüber ungeschützt draußen bleiben! Bleibt die Rückführung erfolglos, so muss eine Wildtierhilfe eingeschaltet werden.
Vorgehensweise: Die „Flaschenmethode“ ist eine Tierschutzkonforme Methode und wird von Fledermaus Experten empfohlen
- Füllen sie eine Flasche mit warmen Wasser, verschließen sie diese und stellen diese in eine flache Schüssel
- Ziehen sie eine Socke über den Flaschenhals
- Hängen sie das Jungtier vorsichtig an die Socke
- Platzieren sie die Wanne an einem erhöhten, für Raubtiere ( Katzen, Raubsäuger) unzugänglichen Platz in der Nähe des Fundort ( Fensterbrett, Balkon) von daraus die Mutter das Junge leicht anfliegen kann.
- Die Rückführung sollte in der Dämmerung und bei gutem Wetter stattfinden.
- Beobachten sie aus sicherer Entfernung, ohne die Mutter durch Licht ( Taschenlampe) oder Geräusche zu stören.
- Wenn das Jungtier nach ca. einer Stunde nicht abgeholt wurde, kann man den gleichen Vorgang nochmals bei Sonnenaufgang versuchen.
- Wenn die Rückführung nicht gelingt, muss das Tier unverzüglich zu einer spezialisierten Pflegestation gebracht werden.
Erstversorgung einer verletzten Fledermaus
- Handschuhe tragen und das Tier vorsichtig aufnehmen.
- Fledermaus in eine kleine Box mit Luftlöchern setzen, ausgelegt mit Küchenpapier oder Stoff, und an einen ruhigen, dunklen Ort stellen.
- Sehr leichte Tiere können mit ein bis zwei Tropfen Wasser, auf einem Löffelrand oder Wattestäbchen, vorsichtig angeboten werden (nicht mit Gewalt einflößen!).
- Verletzungen nicht selbst behandeln, sondern das Tier zeitnah zu einer Wildtierhilfe oder tierärztlichen Fachperson bringen.
- Hände nach dem Kontakt gründlich waschen
Häufige Fledermausarten und Merkmale
- Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus): Sehr klein, Spannweite ca. 20–24 cm, Gewicht etwa 5 Gramm. Oft in Städten und Dörfern, jagt in Straßennähe.
- Großes Mausohr (Myotis myotis): Eine der größten heimischen Arten, Spannweite bis 40 cm, graubraunes Fell, bevorzugt Dachböden und Kirchen als Quartier.
- Wasserfledermaus (Myotis daubentonii): Mittelgroß, graubraun, jagt gerne über Wasserflächen und erbeutet dort Insekten.
- Braunes Langohr (Plecotus auritus): Auffällig große Ohren, graubraunes Fell, fliegt langsam und ist in Wäldern wie auch Dörfern zu finden.
- Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus): Relativ robust, dunkelbraunes Fell, auffällig breite Flügel, lebt meist in Gebäudenähe.
Fledermäuse gehen zwischen Oktober/November bis März/ April in den Winterschlaf und bekommen im Juni/Juli meist nur ein Junges
Fledermäuse sind faszinierende und streng geschützte Tiere, die eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen. Im Notfall helfen schnelles, vorsichtiges Handeln und Kenntnis der Erstversorgung, immer in Absprache mit Fachstellen. Im Umgang mit Fledermäusen Eigenschutz beachten.