Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein mittelgroßes Säugetier aus der Familie der Kleinbären (Procyonidae), das ursprünglich aus Nordamerika stammt. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit und seines charakteristischen Aussehens ist er mittlerweile auch in vielen Teilen Europas verbreitet. Der Waschbär gilt als anpassungsfähiger Allesfresser und ist sowohl in naturnahen als auch urbanen Lebensräumen anzutreffen.
Die Ursprünge des Waschbären liegen in Nordamerika, wo er einen großen Teil des Kontinents besiedelt. Im 20. Jahrhundert wurde der Waschbär in Europa eingeführt, unter anderem zur Pelzzucht oder versehentlich durch Auswilderungen. Besonders in Deutschland und angrenzenden Ländern konnte er stabile Populationen aufbauen. Die Einwanderung nach Europa begann vermutlich in den 1930er Jahren und setzte sich durch natürliche Ausbreitung fort.
Der wissenschaftliche Name des Waschbären lautet Procyon lotor. Er gehört zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) und zur Familie der Kleinbären (Procyonidae). Innerhalb der Gattung Procyon ist der Waschbär die am weitesten verbreitete Art.
Der Waschbär ist in Nordamerika vom südlichen Kanada bis nach Panama heimisch. In Europa, insbesondere in Deutschland, Frankreich, Benelux, Polen und Tschechien, existieren heute stabile Populationen. Der Bestand in Deutschland wird auf mehrere Hunderttausend Tiere geschätzt, mit Schwerpunkt in Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die Ausbreitung erfolgt meist entlang von Flüssen und Waldrändern, aber auch in Städten sind Waschbären zunehmend anzutreffen.
Waschbären besitzen einen kompakten, kräftigen Körperbau mit kurzen Beinen und einem buschigen, geringelten Schwanz. Charakteristisch ist die schwarze Gesichtsmaske, die sich deutlich vom graubraunen bis silbergrauen Fell abhebt. Die Vorderpfoten sind sehr beweglich und ermöglichen feinmotorische Tätigkeiten wie das Öffnen von Behältern oder das Waschen von Nahrung, was dem Tier seinen Namen einbrachte.
Erwachsene Waschbären erreichen eine Körperlänge von 40 bis 70 cm, hinzu kommt ein 20 bis 25 cm langer Schwanz. Das Gewicht variiert je nach Lebensraum und Jahreszeit zwischen 5 und 14 kg, wobei Männchen meist etwas schwerer als Weibchen sind. In nahrungsreichen Gebieten können Waschbären, insbesondere im Herbst, deutlich an Gewicht zulegen.
Die Paarungszeit der Waschbären liegt in Mitteleuropa zwischen Februar und April. Während der Ranzzeit suchen Männchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen. Nach einer Tragzeit von etwa 63 Tagen bringt das Weibchen meist im Mai oder Juni zwei bis fünf Jungtiere zur Welt. Waschbären sind polygam, das heißt, ein Männchen kann sich mit mehreren Weibchen paaren.
Die neugeborenen Jungwaschbären sind zunächst blind und hilflos. Sie werden ausschließlich vom Muttertier gesäugt und gepflegt. Nach etwa drei Wochen öffnen sie die Augen, mit rund acht Wochen verlassen sie erstmals den Bau. Die Mutter führt die Jungen bis zum Herbst, danach suchen sie sich eigene Reviere. Die Sterblichkeitsrate unter Jungtieren ist relativ hoch, besonders in den ersten Lebensmonaten.
In Deutschland gilt der Waschbär nach dem Bundesjagdgesetz (BJagdG) als jagdbare Art, steht jedoch nicht unter Naturschutz. Der § 2 BJagdG listet ihn als jagdbares Wild, während § 23 die Jagdzeiten regelt. In den meisten Bundesländern besteht ganzjährige Schonzeit für Weibchen mit Jungtieren, um den Tierschutz sicherzustellen. Die Haltung und Auswilderung von Waschbären ist durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geregelt, da der Waschbär als invasive Art gemäß EU-Verordnung Nr. 1143/2014 gilt.
Waschbären sind opportunistische Allesfresser. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Früchte, Nüsse, Insekten, Würmer, Amphibien, kleine Wirbeltiere, Eier und menschliche Abfälle. In urbanen Gebieten bedienen sie sich häufig an Mülltonnen und Komposthaufen. Die Nahrung variiert saisonal und regional, wobei im Herbst energiereiche Kost zur Fettbildung bevorzugt wird.
Der Waschbär ist ein ausgeprägter Kulturfolger und bewohnt eine Vielzahl von Lebensräumen. Ursprünglich in Laub- und Mischwäldern beheimatet, hat er sich erfolgreich in Parks, Gärten und Städten etabliert. Wichtige Kriterien für den Lebensraum sind Versteckmöglichkeiten wie Baumhöhlen, Dachböden oder Erdbauten sowie ein ausreichendes Nahrungsangebot.
Verwaiste oder verletzte Waschbären werden in Wildtierauffangstationen aufgenommen. Die Aufzucht erfolgt unter kontrollierten Bedingungen, wobei Hygiene und artgerechte Ernährung eine große Rolle spielen.