Das Teichhuhn (Gallinula chloropus) ist ein mittelgroßer Wasservogel aus der Familie der Rallen (Rallidae). Es zählt zu den bekanntesten Bewohnern stehender und langsam fließender Gewässer in Europa und zeichnet sich durch seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume aus.
Vertreter der Gattung Gallinula gibt es bereits seit mehreren Millionen Jahren. Ursprünglich stammt das Teichhuhn aus Gebieten der Paläarktis, hat sich jedoch durch seine hohe Anpassungsfähigkeit auf nahezu allen Kontinenten verbreitet. Die Art entwickelte sich aus urtümlichen Rallenformen, die sich bevorzugt in sumpfigen Gebieten und an Gewässerufern aufhielten.
Der wissenschaftliche Name des Teichhuhns lautet Gallinula chloropus. Die Gattung Gallinula gehört zur Familie der Rallen (Rallidae) innerhalb der Ordnung der Kranichvögel (Gruiformes). Die Art ist in mehrere Unterarten unterteilt, die sich in Details der Gefiederfärbung und geografischen Verbreitung unterscheiden.
Das Teichhuhn ist nahezu weltweit verbreitet und kommt auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Australien und der Antarktis vor. In Europa ist es flächendeckend anzutreffen, wobei es bevorzugt in gemäßigten Klimazonen lebt. Die Art besiedelt stehende und langsam fließende Gewässer, Teiche, Seen, Altarme, Kanäle und Feuchtgebiete mit dichter Ufervegetation. In den Wintermonaten ziehen viele Populationen in wärmere Regionen Südeuropas, Afrikas oder Südasiens.
Das Teichhuhn ist ein kompakter, mittelgroßer Wasservogel mit einer Körperlänge von etwa 32 bis 35 cm und einer Flügelspannweite von 50 bis 55 cm. Das Gewicht variiert zwischen 250 und 400 Gramm. Charakteristisch sind das überwiegend dunkel olivbraune bis schwarze Gefieder, der auffällige rote Schnabel mit gelber Spitze und der unbefiederte, rote Stirnschild. Die Beine sind grünlich und besitzen lange Zehen, die eine optimale Fortbewegung auf schwankendem Untergrund ermöglichen. Die kurzen, abgerundeten Flügel und der kurze Schwanz sind typisch für die Familie der Rallen.
Die Paarungszeit des Teichhuhns beginnt in Mitteleuropa meist im April und kann bis Juli andauern. Teichhühner sind saisonal monogam. Das Balzverhalten ist durch laute Rufe und gegenseitige Gefiederpflege geprägt. Beide Partner beteiligen sich am Nestbau, der bevorzugt im dichten Schilf oder unter überhängender Vegetation nahe dem Wasser errichtet wird. Das Nest besteht aus Pflanzenmaterial und wird gut versteckt angelegt.
Ein Gelege besteht meist aus fünf bis zehn Eiern, die von beiden Eltern abwechselnd etwa 19 bis 22 Tage bebrütet werden. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf. Sie werden von beiden Eltern geführt und mit Nahrung versorgt. Die Jungvögel sind bereits nach wenigen Wochen selbstständig, bleiben aber oft noch einige Zeit in der Nähe der Eltern. In günstigen Jahren können Teichhühner mehrere Bruten aufziehen.
Das Teichhuhn steht in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern unter besonderem Schutz. Es ist durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und das Bundesjagdgesetz (BJagdG) geschützt. Nach § 44 BNatSchG ist es verboten, wildlebende Tiere der besonders geschützten Arten zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie deren Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu zerstören. Auf europäischer Ebene ist das Teichhuhn durch die EU-Vogelschutzrichtlinie (RL 2009/147/EG) besonders geschützt.
Das Teichhuhn ist ein Allesfresser mit pflanzlicher und tierischer Nahrung. Es ernährt sich von Wasserpflanzen, Samen, Gräsern, Beeren sowie von kleinen Insekten, Würmern, Schnecken und gelegentlich von kleinen Fischen oder Amphibienlaich. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend an Land, im Flachwasser oder auf schwimmenden Blättern.
Das Teichhuhn bevorzugt stehende oder langsam fließende, nährstoffreiche Gewässer mit dichter Ufervegetation. Es ist anpassungsfähig und kann sowohl in naturnahen als auch in anthropogen beeinflussten Lebensräumen wie Parkteichen, Stadtgräben oder Fischteichen leben. Die dichte Vegetation dient als Schutz vor Fressfeinden und als Nistplatz.
Die Aufzucht von Teichhühnern in Wildtierauffangstationen erfolgt meist nach Verlust der Elterntiere oder bei Verletzungen. Die Jungtiere werden zunächst in beheizten und gesicherten Gehegen gehalten, um sie vor Unterkühlung und Prädation zu schützen. Die Fütterung erfolgt mit einer ausgewogenen Mischung aus Wasserpflanzen, Insekten und speziellem Aufzuchtfutter. Besondere Herausforderungen bestehen in der Nachahmung der natürlichen Umgebung und der Vermeidung von Fehlprägungen auf den Menschen. Nach erfolgreicher Aufzucht werden die Tiere in geeignete Feuchtgebiete ausgewildert.
Das Teichhuhn (Gallinula chloropus) ist eine weit verbreitete, anpassungsfähige Wasservogelart, die durch ihre Biologie, ihr Verhalten und ihren Schutzstatus von großem Interesse für Naturfreunde und den Artenschutz ist. Die gesetzliche Regelung gewährleistet einen umfassenden Schutz, während die Aufzucht in Auffangstationen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Art leistet.