Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ist ein in Europa weit verbreiteter Singvogel und gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Gartenvögeln. Es fällt besonders durch seine leuchtend orange bis rostrote Brust und Kehle auf. Sein neugieriges und zutrauliches Verhalten macht es zum vertrauten Gast in vielen Gärten und Parks.

Das Rotkehlchen entwickelte sich im Verlauf der letzten zwei Millionen Jahre aus afrikanischen und asiatischen Vorfahren der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae).

Der wissenschaftliche Name des Rotkehlchens lautet Erithacus rubecula. Es ist die Typusart der Gattung Erithacus und gehört zur Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) innerhalb der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes).

Das Rotkehlchen ist in weiten Teilen Europas, Westasiens und Nordafrikas verbreitet. In Mitteleuropa ist es ein Ganzjahresvogel, während nördliche Populationen im Winter nach Süden ziehen. In Irland, Großbritannien und Westeuropa ist das Rotkehlchen ein typischer Standvogel, in Skandinavien und Osteuropa hingegen ein Zugvogel.

Rotkehlchen erreichen eine Körperlänge von etwa 12,5 bis 14 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 20 bis 22 Zentimetern. Das Gewicht variiert je nach Jahreszeit und Ernährungszustand zwischen 14 und 21 Gramm. Weibchen und Männchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden.

Die Paarungszeit des Rotkehlchens beginnt meist im März und kann bis in den Juli andauern. Rotkehlchen sind monogam und verteidigen während der Brutzeit ein eigenes Revier. Das Balzverhalten besteht aus Gesang, Futterübergaben und typischen Drohgebärden gegenüber Rivalen. Die Paarbildung erfolgt jährlich neu.

Das Weibchen legt pro Brut 4 bis 7 Eier in ein gut verstecktes Nest, das oft bodennah in dichter Vegetation angelegt wird. Die Brutdauer beträgt etwa 13 bis 15 Tage. Nach dem Schlüpfen werden die Jungvögel von beiden Elternteilen mit Insekten und Spinnentieren gefüttert. Nach etwa 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest, werden aber noch ein bis zwei Wochen weiter betreut, bis sie selbstständig sind.

Das Rotkehlchen ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und der EU-Vogelschutzrichtlinie (RL 2009/147/EG) besonders geschützt. Es ist verboten, Rotkehlchen zu fangen, zu jagen, zu verletzen oder ihre Nester, Eier und Jungtiere zu zerstören (§ 44 BNatSchG). Die Haltung und Aufzucht ist nur im Rahmen von zugelassenen Wildtierauffangstationen und mit behördlicher Genehmigung erlaubt.

Rotkehlchen ernähren sich überwiegend von Insekten, Spinnen, Würmern und anderen kleinen Wirbellosen. Im Herbst und Winter ergänzen Früchte, Beeren und Samen den Speiseplan. Sie suchen ihre Nahrung bevorzugt am Boden und sind häufig bei der Futtersuche in Laub und Moos zu beobachten.

Rotkehlchen leben in strukturreichen Laub- und Mischwäldern, Parkanlagen, Gärten und Heckenlandschaften. Sie bevorzugen Gebiete mit dichter Boden- und Strauchvegetation, da diese Schutz und Nistmöglichkeiten bieten. Auch in städtischen Grünanlagen sind sie häufig anzutreffen.

Findet man ein verwaistes oder verletztes Rotkehlchen, sollte es in eine spezialisierte Wildtierauffangstation gebracht werden. Dort erfolgt die Aufzucht nach strengen gesetzlichen Vorgaben. Die Jungvögel werden mit einem speziellen Insektenfutter ernährt und möglichst naturnah aufgezogen, um ihre Auswilderungschancen zu maximieren. Eine menschliche Prägung wird vermieden, um das natürliche Verhalten zu erhalten. Die Auswilderung erfolgt, sobald die Jungvögel selbstständig Nahrung aufnehmen und fliegen können.