Der Maulwurf ist ein in Europa weit verbreitetes, unterirdisch lebendes Säugetier, das durch seinen grabenden Lebensstil, seine charakteristischen Vordergliedmaßen und seinen Einfluss auf Böden bekannt ist. Als wichtiger Bestandteil des Ökosystems trägt er zur Durchlüftung und Lockerung des Bodens bei und reguliert den Bestand an Bodeninsekten.

Die Entstehung der Maulwürfe (Familie: Talpidae) reicht bis etwa 50 Millionen Jahren zurück. Fossile Funde belegen eine kontinuierliche Entwicklung spezialisierter grabender Säugetiere in Eurasien. Im Verlauf ihrer Evolution passten sich Maulwürfe zunehmend an ein unterirdisches Leben an, was sich in ihrer Anatomie widerspiegelt.

Der Europäische Maulwurf, die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Art, trägt den wissenschaftlichen Namen Talpa europaea. Die Familie Talpidae umfasst mehrere Gattungen und Arten, die sich in verschiedenen Regionen der nördlichen Hemisphäre finden.

Maulwürfe sind in weiten Teilen Europas, Asiens und in Teilen Nordamerikas verbreitet. Der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) besiedelt nahezu ganz Europa mit Ausnahme von Irland, Südspanien und Teilen Skandinaviens. Die Tiere bevorzugen humusreiche, lockere Böden, die das Graben erleichtern.

Maulwürfe weisen einen zylinderförmigen Körperbau auf, der optimal an das Leben unter der Erde angepasst ist. Die Vorderbeine sind zu kräftigen Grabwerkzeugen umgebildet, mit breiten, nach außen gerichteten Händen und kräftigen Krallen. Das Fell ist kurz, samtig und kann sich in alle Richtungen legen, was das Rückwärtskriechen in den Gängen erleichtert. Die Augen sind klein und lichtunempfindlich, das Gehör ist gut entwickelt, und das Riechvermögen ist hervorragend. Die Ohren sind äußerlich nicht sichtbar.

Der Europäische Maulwurf erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 11 bis 16 Zentimetern. Das Gewicht variiert je nach Geschlecht und Jahreszeit zwischen 60 und 130 Gramm. Männchen sind meist etwas größer und schwerer als Weibchen.

Die Paarungszeit des Maulwurfs liegt in Mitteleuropa zwischen März und Mai. Während dieser Zeit verlassen die sonst territorialen Tiere ihre Reviere auf der Suche nach einem Partner. Nach erfolgreicher Paarung kommt es zu einer Tragzeit von etwa vier Wochen.

Ein Wurf umfasst durchschnittlich drei bis sieben Jungtiere, die nackt und blind geboren werden. Die Aufzucht erfolgt in einer mit Gras ausgepolsterten Nestkammer im Bau. Die Jungtiere werden rund vier bis fünf Wochen gesäugt und verlassen nach etwa sechs Wochen das mütterliche Revier, um eigene Bausysteme anzulegen.

Der Europäische Maulwurf steht in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) unter besonderem Schutz. Nach § 44 BNatSchG ist es verboten, Maulwürfe zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Lebensstätten zu zerstören. In Österreich und der Schweiz gelten ähnliche Schutzbestimmungen. In einigen Bundesländern gibt es zudem spezifische Regelungen, die eine Ausnahmegenehmigung für bestimmte Maßnahmen vorsehen können.

Maulwürfe sind vorwiegend Insektenfresser (Insektivoren). Sie ernähren sich hauptsächlich von Regenwürmern, Insektenlarven, Käfern und anderen Bodentieren. Gelegentlich fressen sie auch kleine Wirbeltiere. Ihr hoher Stoffwechsel zwingt sie dazu, täglich etwa die Hälfte ihres Körpergewichts an Nahrung aufzunehmen.

Bevorzugte Lebensräume sind feuchte, lockere, humusreiche Böden wie in Wiesen, Gärten, Parks und Waldrändern. Maulwürfe meiden trockene, steinige oder überschwemmte Böden. Ihr unterirdisches Gangsystem kann mehrere hundert Meter lang sein und besteht aus Jagd-, Verbindungs- und Wohnröhren.

Maulwürfe halten keinen echten Winterschlaf. Sie sind das ganze Jahr über aktiv, wobei sie im Winter ihre Nahrungsvorräte in speziellen Kammern anlegen und gelegentlich längere Ruhephasen einlegen. Die Aktivität wird im Winter jedoch reduziert, und die Tiere bewegen sich in tieferen Bodenschichten, um Frost zu vermeiden.

Die Aufzucht verwaister Maulwürfe in einer Wildtierauffangstation erfordert spezielle Kenntnisse. Die Tiere benötigen eine naturnahe Unterbringung mit ausreichend grabfähigem Substrat und geeigneter Nahrung (vor allem Regenwürmer und Insektenlarven). Die Pflege umfasst regelmäßige Kontrolle von Gewicht und Entwicklung, eine schrittweise Gewöhnung an selbstständige Nahrungsaufnahme und eine spätere Auswilderung in geeigneten Lebensraum. In Deutschland ist hierzu eine Genehmigung nach dem Tierschutzgesetz erforderlich.