Der Baummarder (Martes martes) ist ein in Europa weit verbreitetes, mittelgroßes Raubtier aus der Familie der Marder (Mustelidae). Er ist für seine geschickte Kletterfähigkeit und seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume bekannt.
Die evolutionäre Entwicklung des Baummarders, Martes begann bereits vor mehreren Millionen Jahren in Eurasien. Der heutige Baummarder entwickelte sich als spezialisierter Waldbewohner, wobei Anpassungen an das Leben in Bäumen und die Jagd auf kleine Wirbeltiere seine evolutionäre Nische prägten.
Der wissenschaftliche Name des Baummarders lautet Martes martes. Er gehört zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora), zur Familie der Marder (Mustelidae) und zur Gattung der Echten Marder (Martes). Der Baummarder ist eng mit dem Steinmarder (Martes foina) verwandt, unterscheidet sich jedoch durch spezifische Merkmale und Lebensraumpräferenzen.
Das Verbreitungsgebiet des Baummarders erstreckt sich über große Teile Europas, einschließlich Skandinavien, Großbritannien und Irland bis in den Kaukasus. In Mitteleuropa ist er in bewaldeten Gebieten weit verbreitet. Der Baummarder bevorzugt naturnahe Laub- und Mischwälder, kommt jedoch gelegentlich auch in strukturreichen Parklandschaften oder Feldgehölzen vor. Dichte Wälder mit reichlich Unterholz und alten Baumbeständen bieten ihm optimale Lebensbedingungen.
Der Baummarder weist einen schlanken, langgestreckten Körperbau mit kurzen Gliedmaßen und einem buschigen Schwanz auf. Erwachsene Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 40 bis 55 cm, der Schwanz misst zusätzlich 22 bis 28 cm. Das Gewicht liegt meist zwischen 1,0 und 2,0 kg, wobei Männchen tendenziell größer und schwerer sind als Weibchen. Charakteristisch ist das seidig-braune Fell mit einem gelblich bis orangefarbenen Kehlfleck.
Die Paarungszeit des Baummarders fällt in die Sommermonate, meist zwischen Juni und August. Nach der Paarung kommt es zu einer sogenannten Keimruhe (diapause), wodurch sich die eigentliche Tragzeit verlängert. Die Embryonalentwicklung setzt erst im Frühjahr des Folgejahres ein, sodass die Geburt der Jungtiere im März oder April erfolgt.
Ein Wurf besteht in der Regel aus zwei bis fünf Jungtieren. Die Geburt erfolgt in gut geschützten Baumhöhlen oder verlassenen Vogelnestern. Die Jungtiere sind bei der Geburt blind, nackt und vollkommen hilflos. Die Mutter übernimmt die alleinige Aufzucht und Versorgung der Jungtiere, die nach etwa fünf bis sechs Wochen erstmals die Höhle verlassen. Die Entwöhnung erfolgt im Alter von etwa acht bis zehn Wochen, danach bleiben die Jungtiere noch einige Zeit in der Nähe der Mutter, bevor sie ein eigenes Revier suchen.
Der Baummarder steht in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern unter besonderem Schutz. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowie der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) ist er als besonders geschützte Art eingestuft. Die Jagd auf Baummarder ist nach § 44 BNatSchG verboten, ebenso das Fangen, Töten oder Stören während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten. Ausnahmen sind nur in besonderen Fällen mit behördlicher Genehmigung zulässig.
Baummarder sind opportunistische Fleischfresser (Carnivoren), deren Nahrungsspektrum jedoch sehr vielfältig ist. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinsäugern wie Mäusen, Eichhörnchen und Kaninchen, jagen aber auch Vögel, Eidechsen und Insekten. In der Herbstzeit nimmt der Anteil pflanzlicher Nahrung wie Beeren und Früchte deutlich zu. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht dem Baummarder das Überleben in unterschiedlichen Lebensräumen.
Sein bevorzugter Lebensraum sind naturnahe, alte Laub- und Mischwälder mit ausgeprägtem Unterholz und einem hohen Anteil an Altbäumen, die Höhlen und Verstecke bieten. Baummarder meiden offene Landschaften und siedeln sich selten in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungen an, im Gegensatz zum Steinmarder, der auch urbanen Lebensraum nutzt. Aufgrund der Zerstörung und Fragmentierung von Wäldern ist der Baummarder in manchen Regionen jedoch selten geworden.
Verwaiste oder verletzte Baummarder gelangen gelegentlich in Wildtierauffangstationen, wo sie fachgerecht gepflegt und aufgezogen werden. Die Aufzucht erfordert spezielles Wissen über Ernährung, Verhalten und Entwicklungsstadien der Tiere. Die Jungtiere werden zunächst mit spezieller Ersatzmilch ernährt und später schrittweise an feste Nahrung gewöhnt. Ziel ist es, die Tiere so naturnah wie möglich großzuziehen, um eine Wiederauswilderung zu ermöglichen. Besondere Herausforderungen bestehen in der Vermeidung von Fehlprägungen auf den Menschen und der Förderung des arttypischen Jagd- und Kletterverhaltens.
Der Baummarder ist ein faszinierendes und ökologisch bedeutsames Wildtier Europas, das durch seine Anpassungsfähigkeit und seinen Lebensraumanspruch eine wichtige Rolle in den Waldökosystemen spielt. Trotz seines Schutzstatus ist er durch Lebensraumverlust und menschliche Einflüsse in manchen Regionen gefährdet. Die Arbeit von Wildtierauffangstationen trägt wesentlich zum Artenschutz bei, indem sie verwaiste Tiere aufziehen und auf eine erfolgreiche Auswilderung vorbereiten.