Nutria gefunden- was tun
Das Nutria, auch Biberratte genannt, trägt den wissenschaftlichen Namen Myocastor coypus. Dieses mittelgroße Nagetier stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde im 19. Jahrhundert zur Pelztierzucht nach Europa eingeführt. Inzwischen lebt es in vielen Regionen Deutschlands und Europas in freier Wildbahn, vor allem an Flüssen, Seen und Feuchtgebieten.
Naturschutz und jagdrechtliche Lage
In Deutschland fällt das Nutria unter das Jagdrecht. Es steht in vielen Bundesländern auf der Liste der jagdbaren Arten. Jäger*innen dürfen es in bestimmten Jagdzeiten bejagen, um die wachsenden Populationen zu regulieren und Schäden an landwirtschaftlichen Flächen, Uferböschungen und Deichen zu begrenzen. Trotz der Bejagung ist der Tierschutz stets zu berücksichtigen – das Tierschutzgesetz verlangt einen respektvollen Umgang mit den Tieren.
Invasive Art und Folgen bei einer Bergung
Das Nutria zählt zu den invasiven gebietsfremden Arten nach EU-Verordnung. Durch die Ausbreitung außerhalb seines natürlichen Lebensraums verursacht es erhebliche ökologische Schäden: Die Tiere graben Höhlen und Gänge in Uferbereiche, fördern die Erosion und können heimische Arten verdrängen. Bei einer Bergung – etwa, wenn ein Nutria verletzt oder krank aufgefunden wird – ist zu beachten, dass eine Auswilderung gemäß Gesetzgebung nicht zulässig ist. Die Unterbringung und Pflege bedürfen einer speziellen behördlichen Genehmigung.
Wann braucht ein Nutria Hilfe?
- offensichtlich verletzt oder blutend ist,
- Schwierigkeiten beim Gehen oder Schwimmen zeigt,
- apathisch wirkt oder sich ungewöhnlich verhält,
- als Jungtier ohne Mutter aufgefunden wird (besonders, wenn es in Gefahr ist oder längere Zeit alleine bleibt).
Sicherung des Tieres
- Bei der Sicherung eines Nutrias ist auf Eigenschutz zu achten , denn es sind Wildtiere und können bei Angst, Schmerzen und Gefahr kratzen oder beißen.
- Diese Tiere sind dem Mensch gegenüber aber generell nicht aggressiv
- Am besten nähert man sich ruhig und langsam.
- Tragen Sie zum Eigenschutz Handschuhe und verwenden Sie gegebenenfalls ein Handtuch oder eine Decke, um das Tier sanft zu greifen.
- Setzen Sie das Nutria in eine stabile, belüftete Kiste oder Box.
- Direkten Kontakt und unnötigen Stress gilt es zu vermeiden.
Erste Hilfe Maßnahmen
- Halten Sie das Nutria warm, denn geschwächte Tiere kühlen schnell aus.
- Bieten Sie kein Futter oder Wasser an, wenn das Tier bewusstlos wirkt oder nicht schlucken kann.
- Kontaktieren Sie umgehend eine Wildtierstation, Tierärzt*in oder zuständige Behörde.
- Nur Fachpersonal darf invasive Arten pflegen.
Nahrung
- Nutrias sind Pflanzenfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Wasserpflanzen, Gräsern, Kräutern, Gemüse und manchmal Wurzeln und Rinde.
- Geeignete Notfallnahrung für ein geborgenes Nutria sind frischer Löwenzahn, Gras, Karotten, Salat und Sellerie.
- Kein Brot oder tierisches Futter geben.
Unterbringung
- Die vorübergehende Unterbringung sollte in einer ausreichend großen, ausbruchssicheren und belüfteten Box erfolgen,
- ausgelegt mit weichen Handtüchern oder Heu.
- Die Box gehört an einen ruhigen, warmen und dunklen Ort, fernab von direkter Sonneneinstrahlung, Haustieren, Kindern und Lärmquellen.
- Die Betreuung und Pflege müssen schnellstmöglich an eine Wildtierstation oder die zuständige Behörde übergeben werden – insbesondere, da Nutrias als invasive Art nicht aus privater Hand gehalten werden dürfen.
So handeln Sie verantwortungsbewusst im Sinne des Tier- und Naturschutzes, wenn Sie ein Nutria finden und helfen möchten.