Verletztes Reh oder Kitz gefunden – was tun
Das Reh (Capreolus capreolus) ist ein zierliches, graziles Wildtier, das in Wäldern, Feldrändern und zunehmend auch in stadtnahen Gebieten lebt. Es ist leicht an seinem rotbraunen Sommer- und graubraunen Winterfell zu erkennen. Rehe sind scheu und bevorzugen deckungsreiche Lebensräume, wo sie sich vor Fressfeinden und Störungen schützen können.
Gesetzliche und jagdrechtliche Bestimmungen
In Deutschland unterliegen Rehe dem Bundesjagdgesetz und stehen als Wildtiere unter besonderem Schutz. Sie dürfen nur innerhalb festgelegter Jagdzeiten bejagt werden. Die Schonzeit für Rehkitze und weibliche Rehe erstreckt sich in der Regel vom 1. Januar bis zum 30. April, kann jedoch je nach Bundesland variieren. Das Aufnehmen, Pflegen oder gar das dauerhafte Halten von Wildtieren ist ohne behördliche Genehmigung verboten. In Notfällen ist es jedoch erlaubt, verletzte oder hilflose Tiere kurzfristig zu sichern, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Wann braucht ein Reh Hilfe
- bei offensichtlichen Verletzungen, unnatürliche Stellung der Beine Hilflosigkeit
- Reh kann bei Näherung nicht aufstehen oder laufen
- oder akuter Gefahr ( an Bahngleisen, Straßennähe, Baustelle
- Starkes Zittern, Taumeln
- Verklebte Augen, Fliegeneier oder Marden
- Muttertier nachweislich tot ( überfahrenes Alttier in der unmittelbaren Nähe)
- Kitz ruft laut und dauerhaft ( über Stunde)
- Apathisch
- Erwachsenes Tier lässt Menschen nah herankommen
Rehkitze, die allein und ruhig im Gras liegen, nicht sichern – Mutter kommt nur 2-4 mal am Tag zum säugen, Rehkitze werden absichtlich alleine abgelegt weil sie keinen Eigengeruch haben sind sie so am besten geschützt.
- Nur bei sichtbaren Verletzungen oder wenn Mutter nach Stunden nicht erscheint, handeln.
Unterbringung und Sicherung eines verletzten Tieres
- Eigenschutz vorrangig, nie hinter oder vorn dem Reh stehen, das Tier kann austreten und mit den Hufen kratzen und schwere Verletzungen verursachen
- Reh mit einer Decke vorsichtig abdecken, Nase und Maul frei lassen
- In einer entsprechenden Box oder stabilen Karton legen,mit einem Handtuch auslegen
- Reh oder Kitz in einen ruhigen, abgedunkelten und gut belüfteten Raum bringen.
- Laute Geräusche Haustiere und Kinder fernhalten
- direkte Sonne und unnötigen Kontakt vermeiden.
- Stress so gering wie möglich halten, da dieser lebensbedrohlich sein kann.
- Nicht anbinden
- Nicht streicheln ( extremer Stress)
- Kein Festhalten der Beine ( Bewegung eingrenzen, Handtuch, Decke )
- Rehkitze kühlen schnell aus, Wärmflasche oder mit warmen Wasser gefüllte PE Flasche unter die Decke legen
- Keine Wunden reinigen
- Keine Salben oder ähnliches verwenden
- Keine Spot on Präparate verwenden
Die Nahrung
- Fütterung nur nach Absprache mit Expert*innen.
- Rehe ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Knospen, Blättern und jungen Trieben.
- Rehkitze brauchen in den ersten Wochen ausschließlich Muttermilch
- Kuhmilch ist ungeeignet und gefährlich.
- Im Notfall spezielle Aufzuchtmilch für Wildtiere oder Ziegenmilch verwenden, bis Fachleute übernehmen
Was Sie auf keinen Fall tun sollten
- Rehkitz mit nach Hause nehmen ohne Einschätzung der Situation
- Füttern ( falsches Futter ist lebensgefährlich)
- Fotos machen und lange beim Tier bleiben,( es könnte erschrecken und ziellos weglaufen)
- Ein Tier mitnehmen ohne den Fund der Polizei oder zuständigen Jagdpächter zu melden( Wilderei)
Wildtiere reagieren empfindlich- falsche Hilfe kann tödlich sein
Immer eine Wildtierauffangstation kontaktieren