Igel  ( Erinaceidae) gefunden, was tun ?

Rechtlicher Hintergrund

Der Igel steht seit Oktober 2024 auf der Roten Liste gefährdeter Arten und ist nach der Bundesartenschutzverordnung ein besonders geschütztes Tier. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz §44 und §45 Absatz 5 darf ein Igel nur zur vorübergehenden, fachkundigen Pflege der Natur entnommen werden. Das bedeutet: Gefundene, hilfsbedürftige Igel dürfen nicht einfach behalten werden, sondern müssen sachgerecht versorgt und anschließend wieder ausgewildert werden.

Erste Hilfsmaßnahme

  • Untersuchen Sie den Igel auf Fliegeneier (gelblich-weiße, längliche Gebilde) oder Maden. Entfernen Sie diese manuell mit Pinzette, sauberer Wimpernbürst oder Flohkamm.
  • Niemals Spot on Präparat verwenden können tödlich sein
  • Prüfen Sie den Igel auf Verletzungen.
  • Setzen Sie den Igel in einen Karton oder eine Haustierbox. Als Unterlage eignet sich Zeitungspapier und als Versteck ein kleiner Karton (Schlafhaus).
  • Wärmen Sie den Igel vorsichtig auf.
  • Legen Sie eine Wärmeflasche  oder PET-Flasche mit warmem Wasser unter das Handtuch
  • Kein Rotlicht, da dies das Tier austrocknet.
  • Erst wenn das Tier sich warm anfühlt, dürfen Sie ihm Wasser und Futter anbiet
  • Ist der Igel kalt, kann der Kreislauf versagen und das Tier sterben.

 

Pflege von Igelbabys

Die Altersbestimmung ist wichtig für die richtige Versorgung:

  • 2–7 Tage: 20–40 Gramm, Augen und Ohren geschlossen
  • 8–14 Tage: 40–70 Gramm, Augen öffnen sich
  • 15–21 Tage: 70–140 Gramm, erste Zähne kommen durch, beginnen zu fressen
  • Babys bis zu 30 Tagen erhalten Katzenaufzuchtsmilch (z.B. Royal Canin) oder Ziegenmilch – keinesfalls Katzenmilch, Kuhmilch, Kondensmilch oder Babymilch
  • Das Aufzuchtpulver nach Herstellerangaben mischen und stets frisch, bei ca. 38°C, anbieten.
  • Die erste Fütterung sollte stärker verdünnt werden, um den Flüssigkeitshaushalt wiederherzustellen.
  • Schnelle Hilfe bieten auch fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke (max. 2 ml langsam mit einer Spritze ohne Nadel geben).

 

Fütterungs- und Pflegehinweise

  • Die Milchmenge pro Tag (24 Std.) sollte etwa ein Viertel des Körpergewichts betragen.
  • Babys bekommen tagsüber etwa 7 und nachts 3 Mahlzeiten, je älter sie werden, desto weniger Mahlzeiten, aber größere Mengen.
  • Sobald das Baby selbst frisst, bieten Sie weiterhin Aufzuchtsmilch im Schälchen an – zusätzlich hochwertiges Katzennassfutter (z.B. Royal Canin Kitten, ohne Soße, ohne Gelee ).
  • Ab dem ersten Monat keine Milch mehr, stattdessen bis zu 200 Gramm Kitten-Nassfutter.
  • Weitere Nahrung: Rührei kurz gestockt; Hackfleisch, nur kurz gegart
  • Wachsmottenlarven, Heimchen, Mehlwürmer, Soldatenfliegenlarven (frisch, nicht getrocknet).
  • Immer frisches Wasser anbieten.
  • Kitten-Trockenfutter kann zusätzlich gereicht werden.

Nach jeder Fütterung ist es wichtig bei Milchkindern den Urin- und Kotabsatz zu stimulieren: Mit einem Kosmetiktuch das mit warmem Wasser angefeuchtet ist vom Bauch zu den Geschlechtsteilen vorsichtig massieren, bis das Tier Urin und Kot abgesetzt hat

.

Unterbringung im Haus

  • Eine große Box oder Hasenkäfig eignet sich als Unterkunft.
  • Zeitungspapier als Unterlage, ein kleiner Karton als Schlafhaus, ausgefüllt mit Zeitungsschnipseln, Stroh oder trockenen Blättern.
  • Futter- und Wasserschalen gegenüber vom Schlafhaus aufstellen.
  • Bis 800g sollte ein Igel bei Zimmertemperatur aufgepäppelt werden

 

Unterbringung im Freien

  • Ein Igel sollte nicht unter 800 g im Außenbereich untergebracht werden.
  • Sobald der Igel nach draußen kommt, Zeitungsschnipsel aus dem Schlafhauskarton entfernen ( kann schimmeln) durch Stroh oder trockene Blätter ersetzen.
  • Für eine bessere Isolation das Schlafhauskarton in einen etwas größeren Karton stellen und den Zwischenraum mit Stroh auspolstern. Spezielle isolierte Igelschlafhäuser
  • Nassfutter, ohne Soße oder Gelee anbieten solange er frisst
  • Schläft der Igel, trotzdem Trockenfutter anbieten, dass er bei Bedarf noch Futter hat.
  • Wasser sollte nicht gefroren oder verschmutzt sein.
  • Außwilderung Ende April Anfang Mai
  • Nach dem Winterschlaf nicht unmittelbar frei lassen, kontrollieren ob der Igel gesund ist und noch Gewicht anfüttern .