Greifvogel gefunden  – was tun

Bedeutung der Greifvögel

Greifvögel wie Bussard, Falke gehören zu den faszinierendsten Tieren unserer heimischen Natur. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie als Spitzenprädatoren das Gleichgewicht der Tierwelt erhalten.

Rechtliche Grundlagen: Schutzstatus, Gesetze und Meldepflichten

In Deutschland und auch europaweit stehen Greifvögel unter strengem Schutz. Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen sind das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), das Bundesjagdgesetz (BJagdG) sowie die EU-Vogelschutzrichtlinie. Diese Gesetze verbieten das Töten, Fangen, Stören oder Halten von Greifvögeln ohne ausdrückliche Genehmigung. Auch das Entfernen von Eiern oder das Zerstören von Nestern ist untersagt.

Wer einen verletzten Greifvogel findet, ist verpflichtet, dies der zuständigen Naturschutzbehörde oder einer anerkannten Wildtierstation zu melden. In einigen Bundesländern kann auch die Untere Jagdbehörde zuständig sein. Die Meldepflicht dient dazu, einen Überblick über Notfälle zu behalten und eine fachgerechte Versorgung zu gewährleisten.

Naturschutz und Jagd

Greifvögel sind nicht nur beeindruckende Jäger, sondern erfüllen auch eine wichtige Funktion für den Naturschutz. Sie regulieren die Bestände von Kleinsäugern und Vögeln und tragen so zur Gesundheit des Ökosystems bei. Im Jagdrecht gelten Greifvögel als „besonders geschützte Arten“ und dürfen nicht bejagt werden. Ausnahmen gibt es nur in seltenen Fällen, beispielsweise bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit – und auch dann nur mit behördlicher Erlaubnis.

Jäger sind verpflichtet, den Schutz der Greifvögel zu achten und bei Notfällen die Wildtierhilfe zu informieren. Eine eigenmächtige Entnahme oder Tötung ist strafbar und kann mit hohen Bußgeldern oder Freiheitsstrafen geahndet werden.

Wann braucht ein Greifvogel Hilfe?

Nicht jeder Greifvogel, der am Boden sitzt, ist automatisch hilfsbedürftig. Besonders Jungvögel (Ästlinge) verlassen das Nest, bevor sie flugfähig sind, und werden weiterhin von den Eltern versorgt. Dennoch gibt es eindeutige Anzeichen, die auf eine Notlage hinweisen:

  • Offensichtliche Verletzungen (gebrochene Flügel, blutende Wunden)
  • Lähmungen oder Bewegungsunfähigkeit
  • Starke Schwäche, Apathie oder fehlende Fluchtreaktion
  • Verheddern in Zäunen, Netzen oder Drähten
  • Verlassene Jungvögel, die über längere Zeit keine Eltern in der Nähe haben
  • Tiere die in Wasserbehälter oder Kaminschächten gefunden wurden
  • Tiere deren Gefieder mit ölhaltigen oder klebrigen Substanz verschmutzt sind
  • Tiere die mit Fliegeneier oder Marden besetzt sind

In solchen Fällen ist schnelles und umsichtiges Handeln gefragt.

 

Sicherung :

  • Die Bergung eines Greifvogels sollte immer mit größter Vorsicht erfolgen, um zusätzlichen Stress oder Verletzungen zu vermeiden.
  • Auch der Eigenschutz ist zu beachten ( die Tiere haben lange scharfe Krallen und einen gefährlichen Schnabel)
  • Annähern mit ruhigen Bewegungen, um Panik zu verhindern.
  • Handschuhe und ggf. eine Decke zum Schutz vor Krallen und Schnabel verwenden.
  • Den Vogel vorsichtig greifen und Flügel am Körper fixieren.
  • In eine gut belüftete, dunkle Box oder einen Karton setzen (keine Gitterkäfige!).
  • Jungtiere warmhalten
  • Schnellstmöglich Kontakt zur einen Greifvogel oder Wildtierauffangstation oder einem vogelkundigen Tierarzt aufnehmen.

Erstversorgung:

  • den Greifvogel so stressfrei wie möglich zu halten.
  • Dringend eine Greifvogel oder Wildtierauffangstation kontaktieren
  • Ruhe und Dunkelheit: Box an einem ruhigen Ort abstellen.
  • Kein Wasser oder Futter anbieten, bevor die Art und der Zustand des Vogels sicher festgestellt wurden.
  • Keine Medikamente oder Hausmittel verabreichen.
  • Keine Versuche unternehmen, Knochenbrüche selbst zu schienen oder Wunden zu versorgen – dies gehört in fachkundige Hände.
  • Keine Parasiten Mittel benutzen

Die Erstversorgung endet in der Regel mit der Übergabe an eine spezialisierte Wildtierstation oder einen erfahrenen Tierarzt.

Unterbringung:

  • Die Unterbringung von Greifvögeln in Not muss artgerecht und möglichst stressarm erfolgen.
  • Geeignet sind geräumige, abgedunkelte Boxen oder Karton mit rutschfestem Untergrund (z. B. Handtücher).
  • Zugluft, Lärm Haustiere und Kinder sind strikt zu vermeiden.
  • Jungtiere zusätzlich eine Wärmequelle( Wärmflasche , mit warmen Wasser gefüllte PE Flasche dazulegen.

 

Greifvögel sind gesetzlich streng geschützt und für das Ökosystem unverzichtbar. Wer einen verletzten oder hilfsbedürftigen Greifvogel findet, sollte die rechtlichen Vorgaben beachten, umsichtig handeln und unverzüglich die Greifvogel oderWildtierstation oder eine vogelkundige Tierärztin kontaktieren. Die richtige Bergung, Erstversorgung und Unterbringung sind entscheidend für das Überleben der Tiere. Ansprechpartner sind regionale Wildtierstationen, Naturschutzbehörden, Tierärzte mit Vogelerfahrung sowie die Untere Jagdbehörde.

Weitere Informationen und Kontakte finden Sie bei den jeweiligen Landesumweltämtern und auf den Webseiten von Naturschutzverbänden.