Der Rotmilan (Milvus milvus) ist ein mittelgroßer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Er ist durch sein charakteristisches rostbraunes Gefieder und den tief gegabelten Schwanz leicht zu erkennen. Der Rotmilan spielt eine wichtige Rolle im europäischen Ökosystem und steht aufgrund seines Schutzstatus im Fokus vieler Naturschutzprojekte.

Der Rotmilan hat sich im Laufe der Evolution innerhalb der Gattung Milvus entwickelt. Seine Vorfahren waren bereits im Pleistozän auf dem europäischen Kontinent vertreten. Die Anpassung an offene Landschaften und das flexible Nahrungsspektrum haben ihm ermöglicht, sich erfolgreich in verschiedenen Lebensräumen zu etablieren.

Der wissenschaftliche Name des Rotmilans lautet Milvus milvus. Er gehört zur Ordnung der Greifvögel (Accipitriformes), Familie der Habichtartigen (Accipitridae), und zur Gattung der Milane (Milvus).

Der Rotmilan kommt hauptsächlich in Europa vor. Besonders hohe Populationsdichten finden sich in Deutschland, Frankreich, Spanien und Polen. Die Art ist in Mitteleuropa sesshaft, während einzelne Populationen in Südeuropa und Nordafrika auch Wanderbewegungen zeigen. Insgesamt ist der Rotmilan ein typischer Vertreter der europäischen Fauna.

Die Ursprungsgebiete des Rotmilans liegen im südwestlichen Europa, von wo aus er sich im Laufe der Jahrtausende nach Mitteleuropa und teilweise bis nach Nordafrika ausgebreitet hat. Fossile Funde belegen seine lange Geschichte auf dem europäischen Kontinent.

Der Rotmilan zeichnet sich durch einen schlanken Körperbau, lange, schmale Flügel und einen auffällig tief gegabelten Schwanz aus. Das Gefieder ist überwiegend rostbraun mit weißen und schwarzen Abzeichen. Die Flügelspannweite beträgt etwa 1,75 Meter. Der Kopf ist hellgrau mit feiner Streifung. Die kräftigen Krallen und der gebogene Schnabel sind typische Merkmale eines Greifvogels.

Der Rotmilan erreicht eine Körperlänge von 60 bis 66 Zentimetern. Die Flügelspannweite liegt zwischen 150 und 175 Zentimetern. Das Gewicht variiert je nach Geschlecht und Jahreszeit zwischen 800 und 1.200 Gramm.

Die Paarungszeit des Rotmilans beginnt im zeitigen Frühjahr, meist ab März. Rotmilane führen eine monogame Partnerschaft und kehren oft zu denselben Brutplätzen zurück. Während der Balz zeigen sie spektakuläre Flugmanöver. Nach der Paarung baut das Paar gemeinsam ein Nest in hohen Bäumen.

Die Brutzeit dauert etwa 30 bis 32 Tage. Das Weibchen legt meist zwei bis drei Eier. Nach dem Schlüpfen werden die Jungtiere von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Die Nestlingszeit beträgt rund 45 bis 50 Tage, danach verlassen die Jungvögel das Nest, bleiben aber noch einige Wochen in der Nähe ihrer Eltern und werden weiter gefüttert.

Der Rotmilan ist in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern streng geschützt. Nach §44 des Bundesnaturschutzgesetzes ist das Töten, Fangen oder Stören des Rotmilans verboten. Zusätzlich ist die Art im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgeführt, was den Schutz auf europäischer Ebene verstärkt.

Der Rotmilan ist ein opportunistischer Jäger und Aasfresser. Sein Beutespektrum umfasst kleine Säugetiere, Vögel, Amphibien, Insekten und Aas. Besonders häufig ernährt er sich von Mäusen, Kaninchen und gelegentlich von Fisch. Auch landwirtschaftliche Abfälle und Tierkadaver werden genutzt.

Typische Lebensräume des Rotmilans sind offene Kulturlandschaften, Felder, Wiesen, lichte Wälder und Waldränder. Er bevorzugt Regionen mit ausreichendem Nahrungsangebot und hohen Bäumen als Nistplätze. Rotmilane sind anpassungsfähig und können auch in der Nähe menschlicher Siedlungen leben, sofern die Bedingungen stimmen.

In Wildtierauffangstationen werden verletzte oder verwaiste Rotmilane aufgenommen und gepflegt. Die Aufzucht erfolgt möglichst naturnah, um die Rückführung in die freie Wildbahn zu ermöglichen. Dazu gehören artgerechte Fütterung, medizinische Versorgung und die Simulation natürlicher Lebensbedingungen. Die Jungvögel werden erst entlassen, wenn sie selbstständig jagen und fliegen können.