Der Igel ist ein in Europa weit verbreitetes Säugetier, das besonders durch seinen charakteristischen Stachelkleid auffällt. Als nachtaktiver Insektenfresser spielt er eine bedeutende Rolle im Ökosystem und ist zugleich ein Symbol für die heimische Tierwelt.
Die Ursprünge der Igel (Familie Erinaceidae) reichen bis etwa 60 Millionen Jahren zurück. Fossile Funde belegen, dass sich die Vorfahren der heutigen Igel aus frühen Insektenfressern entwickelt haben. Im Laufe der Evolution spezialisierten sie sich auf eine nachtaktive Lebensweise und entwickelten als Schutzmechanismus gegen Fressfeinde das charakteristische Stachelkleid.
Der in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Igel ist der Erinaceus europaeus, auch als Europäischer Braunbrustigel bekannt. Die Familie Erinaceidae umfasst mehrere Gattungen und Arten, die sich in ihrem Verbreitungsgebiet, ihrer Anatomie und Lebensweise unterscheiden. Systematisch gehören Igel zur Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla).
Der Europäische Igel ist in nahezu ganz Europa mit Ausnahme von Island, Irland und einigen Mittelmeerinseln verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis in Teile Westasiens. Ursprünglich stammt die Gattung Erinaceus aus Eurasien, von wo aus sie sich nach Westen und Süden ausbreitete.
Das auffälligste Merkmal des Igels sind seine rund 5.000 bis 7.000 Stacheln, die modifizierte Haare darstellen und dem Schutz vor Fressfeinden dienen. Der Körperbau ist gedrungen, mit kurzen Beinen und einer spitzen Schnauze. Igel besitzen ein gutes Gehör und einen ausgeprägten Geruchssinn, während ihr Sehvermögen eher schwach entwickelt ist. Die Unterseite ist mit weichem Fell bedeckt.
Erwachsene Europäische Igel erreichen eine Körperlänge von 22 bis 30 Zentimetern. Das Gewicht variiert saisonal: Im Frühjahr wiegen sie meist 600 bis 800 Gramm, während sie sich im Herbst vor dem Winterschlaf auf bis zu 1.200 Gramm anfressen. Jungtiere wiegen bei der Geburt etwa 12 bis 25 Gramm.
Die Paarungszeit des Igels beginnt in Mitteleuropa meist im Mai und reicht bis in den August hinein. Männchen und Weibchen führen ein charakteristisches Paarungsritual auf, bei dem das Männchen das Weibchen umkreist und dabei schnaufende Geräusche macht. Nach erfolgreicher Paarung trennen sich die Tiere wieder; eine Paarbindung besteht nicht.
Nach einer Tragzeit von etwa 35 Tagen bringt das Weibchen im Frühsommer durchschnittlich vier bis sieben Jungtiere zur Welt. Die Jungen werden blind und mit weichen, unter der Haut verborgenen Stacheln geboren. Nach wenigen Tagen brechen die Stacheln durch die Haut. Die Mutter säugt die Jungen etwa vier bis sechs Wochen, danach sind sie selbstständig. Die Aufzucht erfolgt ausschließlich durch das Weibchen.
Igel stehen in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern unter besonderem Schutz. Gemäß § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist es verboten, wildlebende Igel zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Lebensstätten zu zerstören. Die Entnahme aus der Natur ist nur zulässig, wenn ein Tier krank, verletzt oder hilflos ist. In solchen Fällen ist die Pflege und spätere Auswilderung vorgeschrieben. Das Halten von Igeln als Haustiere ist nicht erlaubt. Verstöße gegen den Artenschutz können mit Bußgeldern geahndet werden.
Igel sind überwiegend Insektenfresser (Insektivoren). Ihr Nahrungsspektrum umfasst Käfer, Raupen, Würmer, Schnecken, Spinnen und andere wirbellose Tiere. Gelegentlich fressen sie auch Eier, kleine Wirbeltiere oder Fallobst. Igel sind als Nützlinge bekannt, da sie viele Schädlinge in Gärten und landwirtschaftlichen Flächen vertilgen.
Der bevorzugte Lebensraum des Igels sind strukturreiche Gärten, Parks, Waldränder, Heckenlandschaften und extensiv genutzte Wiesen. Sie benötigen Versteckmöglichkeiten wie Laubhaufen, Totholz oder dichte Sträucher, um sich tagsüber zu verbergen und ihren Winterschlaf zu halten. Die Zersiedelung und intensive Landwirtschaft führen zunehmend zum Verlust geeigneter Lebensräume.
Igel halten in den gemäßigten Breiten einen mehrmonatigen Winterschlaf, meist von November bis April. Während dieser Zeit senken sie ihre Körpertemperatur und den Stoffwechsel auf ein Minimum ab. Die Tiere zehren von ihren im Herbst angesammelten Fettreserven. Ein zu geringes Körpergewicht (< 800 g) vor dem Winterschlaf kann lebensbedrohlich sein.
Geschwächte, verletzte oder verwaiste Igel werden in Wildtierauffangstationen fachgerecht versorgt. Die Aufzucht erfolgt unter kontrollierten Bedingungen: Die Tiere erhalten ausgewogenes Futter, werden medizinisch betreut und auf die Auswilderung vorbereitet. Ziel ist stets die Rückführung in die Natur, sobald die Tiere selbstständig und kräftig genug sind. Besonders Jungigel, die im Herbst zu leicht für den Winterschlaf sind, profitieren von dieser Betreuung.
Der Igel ist ein faszinierendes Wildtier mit langer evolutionärer Geschichte, das sich optimal an das Leben in naturnahen Lebensräumen angepasst hat. Als geschützte Art ist er auf die Unterstützung des Menschen angewiesen, insbesondere bei der Erhaltung geeigneter Lebensräume und bei der fachgerechten Pflege in Auffangstationen. Sein Beitrag zur biologischen Vielfalt und Schädlingsbekämpfung macht ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil unserer heimischen Natur.