Der Gartenschläfer ist ein kleiner, nachtaktiver Nagetier aus der Familie der Bilche. Er zählt zu den seltenen und besonders schützenswerten Arten in Europa. Sein markantes Aussehen und seine Anpassungsfähigkeit machen ihn zu einem faszinierenden Vertreter der heimischen Tierwelt.
Der Gartenschläfer entwickelte sich im Laufe der Evolution aus den Vorfahren der Bilche, die bereits im vor etwa 30 Millionen Jahren existierten. Fossile Funde belegen seine Verbreitung in Europa seit der letzten Eiszeit. Seine Herkunft liegt im westlichen und südlichen Europa, wo er sich an verschiedene Lebensräume angepasst hat.
Der wissenschaftliche Name des Gartenschläfers lautet Eliomys quercinus. Er gehört zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia), Familie der Bilche (Gliridae), und ist eng verwandt mit Siebenschläfer und Baumgartenschläfer.
Der Gartenschläfer kommt vor allem in West- und Mitteleuropa vor. In Deutschland, Frankreich, Spanien und Teilen Osteuropas ist er anzutreffen. Allerdings sind viele Populationen rückläufig, insbesondere in Deutschland, wo er inzwischen als gefährdet gilt. Seine Verbreitung reicht von Waldgebieten bis hin zu urbanen Gärten und Parks.
Der Gartenschläfer ist etwa 10 bis 15 cm lang, mit einem buschigen Schwanz von 8 bis 12 cm Länge. Das Gewicht liegt zwischen 60 und 120 Gramm. Sein Fell ist oberseits graubraun, die Unterseite weiß. Auffällig sind die dunklen „Zorro“-Masken um die Augen. Die Ohren sind groß und abgerundet, das Gebiss für die Ernährung vielseitig einsetzbar.
Die Paarungszeit des Gartenschläfers beginnt im Mai und dauert bis Juli. Während dieser Zeit sind die Tiere besonders aktiv und suchen Partner zur Fortpflanzung. Nach erfolgreicher Paarung folgt eine Trächtigkeit von etwa 21 bis 24 Tagen.
Ein Wurf besteht meist aus 3 bis 7 Jungtieren. Die Neugeborenen sind zunächst nackt und blind. Nach etwa zwei Wochen öffnen sie die Augen und beginnen, das Nest zu erkunden. Die Mutter kümmert sich intensiv um die Aufzucht, bis die Jungtiere nach sechs bis acht Wochen selbstständig werden.
Der Gartenschläfer ist in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) streng geschützt. Eingriffe in seinen Lebensraum, Fang oder Tötung sind verboten (§44 BNatSchG). Auch die EU-Vogelschutzrichtlinie und die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) greifen zum Schutz der Art.
Der Gartenschläfer ist ein Allesfresser. Sein Spektrum reicht von Insekten, Spinnen und Schnecken bis zu Früchten, Beeren, Nüssen und gelegentlich Eiern kleiner Vögel. Diese vielseitige Ernährung ermöglicht ihm das Überleben in unterschiedlichen Lebensräumen.
Bevorzugt werden strukturreiche Wälder, Streuobstwiesen, Gärten und Parks mit ausreichender Deckung und Nahrungsangebot. Der Gartenschläfer legt sein Nest in Baumhöhlen, Mauernischen oder unter Dachböden an. Wichtig sind vielfältige und naturnahe Lebensräume ohne intensive Nutzung.
Der Gartenschläfer hält von Oktober bis April Winterschlaf. In dieser Zeit senkt er seine Körpertemperatur und verlangsamt den Stoffwechsel. Er nutzt Vorräte, die er im Herbst angelegt hat, um Energie zu sparen. Das Nest wird gut isoliert, meist tief im Boden oder in geschützten Höhlen.
Jungtiere oder verletzte Gartenschläfer werden in Wildtierauffangstationen fachgerecht versorgt. Die Aufzucht erfolgt mit spezieller Nahrung und in naturnahen Gehegen. Ziel ist die Wiederauswilderung, sobald die Tiere selbstständig sind und überlebensfähig erscheinen.