Der Feldhase, wissenschaftlich Lepus europaeus, ist eine in Mitteleuropa weit verbreitete Säugetierart aus der Familie der Hasen (Leporidae). Als typischer Bewohner offener Landschaften und Kulturlandschaften ist er ein bedeutendes Wildtier, das sowohl ökologisch als auch kulturhistorisch eine wichtige Rolle spielt.

Fossile Funde belegen seine Präsenz in Europa seit etwa einer Million Jahren. Ursprünglich stammt die Art aus den Steppen- und Graslandschaften Eurasiens. Mit der Ausbreitung der Landwirtschaft und der damit einhergehenden Schaffung offener Flächen konnte der Feldhase sein Verbreitungsgebiet erheblich erweitern.

Der Feldhase trägt den wissenschaftlichen Namen Lepus europaeus und gehört zur Ordnung der Lagomorpha (Hasenartige) sowie zur Familie Leporidae (Hasen). Innerhalb der Gattung Lepus ist er eine der größten und am weitesten verbreiteten Arten Europas.

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Feldhasen erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis in weite Teile Asiens. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Art ebenso heimisch wie in Irland, Großbritannien, Südskandinavien und Teilen des Balkans. Bevorzugte Lebensräume sind offene, strukturreiche Kulturlandschaften, Felder, Wiesen und Brachen. In bergigen Regionen ist der Feldhase seltener anzutreffen.

Der Feldhase zeichnet sich durch einen langgestreckten, schlanken Körperbau aus. Typisch sind die langen Hinterläufe, die ihm hohe Sprungkraft und schnelle Sprints ermöglichen. Die Ohren („Löffel“) sind auffallend lang und weisen eine schwarze Spitze auf. Das Fell ist oberseits meist gelblich-braun bis rotbraun mit dunkel melierten Anteilen, die Unterseite ist weißlich. Die Augen sind groß und seitlich am Kopf angeordnet, was dem Hasen ein großes Sichtfeld verschafft.

Ausgewachsene Feldhasen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 50 bis 70 Zentimetern. Die Schulterhöhe liegt bei etwa 25 bis 30 Zentimetern. Das Gewicht variiert zwischen 3 und 6,5 Kilogramm, wobei Weibchen tendenziell etwas schwerer werden können als Männchen.

Die Fortpflanzungszeit des Feldhasen beginnt in Mitteleuropa meist im Januar oder Februar und dauert bis in den August. Während der sogenannten „Rammelzeit“ kommt es zu ausgeprägtem Balz- und Rivalenverhalten. Mehrere Männchen (Rammler) konkurrieren um ein Weibchen (Häsin), wobei es zu teils spektakulären Verfolgungsjagden und Boxkämpfen kommt. Die Paarung erfolgt mehrmals im Jahr, da Häsinnen nachgebärfähig sind (Superfötation).

Nach einer Tragzeit von etwa 42 Tagen bringt die Häsin pro Wurf meist zwei bis vier Jungtiere zur Welt. Die Jungen, sogenannte Sätze, sind Nestflüchter: Sie werden behaart und mit offenen Augen geboren und verstecken sich einzeln in Mulden („Sassen“). Die Mutter sucht die Jungtiere nur zwei- vier mal täglich zur kurzen Säugezeit auf. Bereits nach zwei bis drei Wochen sind die Jungtiere weitgehend selbstständig.

Der Feldhase unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz (BJagdG). Nach § 2 BJagdG ist er dem Jagdrecht unterstellt. Die Jagdzeiten sind regional festgelegt, in vielen Bundesländern besteht jedoch eine Schonzeit oder ein vollständiges Jagdverbot, um den Bestand zu schützen. In der Roten Liste der gefährdeten Arten wird der Feldhase als „gefährdet“ geführt, was zusätzlichen Schutz durch Naturschutzgesetze nach sich zieht.

Feldhasen sind reine Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern, Kräutern und Wildpflanzen. Im Winter greifen sie auf Knospen, Rinde und landwirtschaftliche Kulturen zurück. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in den Dämmerungs- und Nachtstunden.

Typische Lebensräume des Feldhasen sind offene, strukturreiche Landschaften mit niedriger Vegetation und ausreichend Deckung. Dazu zählen Felder, Wiesen, Wegränder und Brachen. Der Feldhase ist anpassungsfähig, benötigt jedoch abwechslungsreiche Strukturen zur Deckung und zur Versorgung mit Nahrung. Intensive Landwirtschaft, Monokulturen und Flächenversiegelung stellen Gefahren für den Lebensraum dar.

Jungtiere, die in einer Wildtierauffangstation aufgenommen werden, benötigen besondere Pflege. Sie werden mit spezieller Ersatzmilch ernährt, wobei die Fütterungsintervalle und die Zusammensetzung der Nahrung dem natürlichen Vorbild angepasst werden müssen. Die Aufzucht erfordert große Sorgfalt, da Feldhasen sehr stressanfällig sind. Ziel ist die Auswilderung, sobald die Tiere selbstständig Nahrung aufnehmen und Fluchtverhalten zeigen. Herausforderungen bestehen vor allem in der stressarmen Haltung und der Vermeidung von Fehlprägungen auf den Menschen.

Der Feldhase ist eine charakteristische Art der mitteleuropäischen Landschaft, die durch ihre Anpassungsfähigkeit und ökologische Bedeutung hervorsticht. Trotz seiner einst hohen Bestände gilt die Art heute als gefährdet und steht unter besonderem Schutz. Kenntnisse über Biologie, Lebensweise und Schutzmaßnahmen sind entscheidend für den Erhalt dieser faszinierenden Wildtierart.