Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist ein in Europa weit verbreitetes Nagetier, das vor allem durch seinen buschigen Schwanz und seine flinke Lebensweise bekannt ist. Es spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem, insbesondere in Wäldern, und fasziniert Naturinteressierte durch seine Anpassungsfähigkeit und sein Verhalten.
Die Familie der Hörnchen (Sciuridae) entwickelte sich vor etwa 36 Millionen Jahren. Die Gattung Sciurus entstand vermutlich in Eurasien und breitete sich von dort aus in verschiedene Regionen aus. Das europäische Eichhörnchen ist ein typischer Vertreter der baumbewohnenden Hörnchen und hat sich im Verlauf der Evolution optimal an das Leben in Laub- und Nadelwäldern angepasst.
Das Eichhörnchen trägt den wissenschaftlichen Namen Sciurus vulgaris. Es gehört zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia), Familie der Hörnchen (Sciuridae) und Gattung Sciurus. Weltweit existieren über 200 Arten in dieser Familie, wobei das europäische Eichhörnchen die einzige heimische Art Mitteleuropas ist.
Das Verbreitungsgebiet des Eichhörnchens erstreckt sich von Westeuropa bis nach Ostasien. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, Skandinavien sowie in Teilen Russlands ist es ein häufiger Waldbewohner. Es bevorzugt Misch-, Laub- und Nadelwälder, ist jedoch auch in städtischen Parks und großen Gärten anzutreffen. Eichhörnchen sind anpassungsfähig und nutzen sowohl natürliche als auch vom Menschen geschaffene Lebensräume.
Das Eichhörnchen besitzt einen schlanken, beweglichen Körper mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 19 bis 23 cm. Der Schwanz misst 15 bis 20 cm und dient als Balancierhilfe. Das Gewicht variiert je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot zwischen 250 und 400 Gramm. Charakteristisch sind die großen, dunklen Augen, die kräftigen Nagezähne und die behaarten Ohrpinsel, die besonders im Winter ausgeprägt sind. Das Fell variiert von rotbraun bis schwarz, der Bauch ist stets weißlich gefärbt.
Eichhörnchen sind überwiegend Einzelgänger, kommen jedoch zur Paarungszeit, die meist zwischen Januar und April sowie im Sommer stattfindet, zusammen. Während der Paarungszeit zeigen Männchen ein aktives Balzverhalten und verfolgen die Weibchen. Nach erfolgreicher Paarung zieht sich das Weibchen zurück und baut ein Nest, den sogenannten Kobel, zur Aufzucht der Jungen.
Nach einer Tragezeit von etwa 38 Tagen bringt das Weibchen zwei- bis dreimal jährlich drei bis sechs Jungtiere zur Welt. Die Jungen sind bei der Geburt nackt, blind und hilflos. Innerhalb von vier Wochen öffnen sie die Augen, nach etwa acht Wochen verlassen sie erstmals den Kobel. Die Mutter sorgt intensiv für die Nachkommen und bringt sie bei Gefahr in einen Ersatzkobel. Nach rund drei Monaten sind die Jungtiere selbstständig und verlassen das Revier der Mutter.
Das europäische Eichhörnchen steht in Deutschland unter besonderem Schutz und ist nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt. Es ist verboten, wilde Eichhörnchen zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Auch das Entnehmen von Jungtieren aus der Natur ist nur in Ausnahmefällen, beispielsweise zur Rettung verwaister Tiere, gestattet.
Eichhörnchen sind Allesfresser mit Schwerpunkt auf pflanzlicher Nahrung. Zu ihren Hauptnahrungsmitteln zählen Nüsse, Samen, Eicheln, Bucheckern, Fichten- und Kiefernsamen, aber auch Beeren, Pilze und gelegentlich Insekten oder Vogeleier. Im Herbst legen sie Vorräte an, indem sie Nahrung im Boden oder in Baumhöhlen verstecken. Ihr ausgeprägtes Gedächtnis hilft ihnen, einen Großteil der Verstecke im Winter wiederzufinden.
Der bevorzugte Lebensraum des Eichhörnchens sind strukturreiche Wälder mit altem Baumbestand, die ausreichend Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten. Sie sind jedoch auch in städtischen Parks und Gärten zu beobachten. Eichhörnchen bauen kugelförmige Nester aus Zweigen, Blättern und Moos, die als Schlaf- und Aufzuchtstätten dienen.
Eichhörnchen halten keinen echten Winterschlaf, sondern eine Winterruhe. Sie bleiben aktiv, reduzieren jedoch ihre Aktivitäten und verlassen den Kobel nur für kurze Zeit, um Vorräte zu fressen. Die Körpertemperatur sinkt nicht ab wie bei echten Winterschläfern, sodass sie bei milderen Temperaturen auch im Winter zu beobachten sind.
Verwaiste oder verletzte Eichhörnchen werden in spezialisierten Wildtierauffangstationen aufgenommen. Dort erfolgt eine intensive Pflege, die Fütterung mit speziellem Aufzuchtfutter und eine schrittweise Gewöhnung an die Selbstständigkeit. Ziel der Aufzucht ist die Wiederauswilderung, sobald die Tiere eigenständig Nahrung suchen können und ein natürliches Verhalten zeigen. Die Auswilderung erfolgt möglichst naturnah und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben.