Der Dachs, wissenschaftlich als Meles meles bezeichnet, ist ein in Europa weit verbreitetes Säugetier aus der Familie der Marder (Mustelidae). Aufgrund seiner charakteristischen Körperform und seiner schwarz-weißen Gesichtszeichnung ist der Dachs leicht zu erkennen.
Fossile Funde zeigen, dass Vorfahren der heutigen Dachse bereits vor mehreren Millionen Jahren auf dem europäischen Kontinent lebten. Über die Jahrtausende entwickelte sich der Dachs zu einem anpassungsfähigen und robusten Bewohner gemäßigter Zonen, der sich erfolgreich an verschiedene Lebensräume anpassen konnte.
Der Europäische Dachs trägt den wissenschaftlichen Namen Meles meles. Er gehört zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora), Familie der Marder (Mustelidae), und bildet die einzige in Europa heimische Art der Gattung Meles.
Die ursprünglichen Ursprungsgebiete des Dachses liegen in den gemäßigten Zonen Europas und Teilen Asiens. Heute ist der Dachs in nahezu ganz Europa verbreitet, mit Ausnahme von Nordskandinavien, Irland und einigen Mittelmeerinseln. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis nach Westasien und Teile des Nahen Ostens.
Der Dachs zeichnet sich durch einen kräftigen, walzenförmigen Körper, kurze, starke Gliedmaßen und einen kurzen Schwanz aus. Typisch sind die schwarz-weißen Längsstreifen im Gesicht. Sein Gebiss und die kräftigen Vorderpfoten mit langen Krallen sind ideal zum Graben und zur Nahrungssuche im Boden geeignet.
Ausgewachsene Dachse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 60 bis 90 Zentimetern, der Schwanz misst zusätzlich 12 bis 20 Zentimeter. Das Gewicht variiert je nach Jahreszeit und Geschlecht zwischen 7 und 17 Kilogramm, wobei Tiere im Herbst vor dem Winterschlaf deutlich schwerer sein können.
Die Paarungszeit der Dachse liegt meist zwischen Februar und Mai. Dachse sind polygam, wobei sich ein Rüde mit mehreren Weibchen paaren kann. Die befruchteten Eizellen verweilen zunächst in einem Ruhestadium (Keimruhe), sodass die eigentliche Entwicklung der Embryonen erst im Dezember beginnt. Die Geburt erfolgt dann im zeitigen Frühjahr.
Die Wurfgröße beträgt in der Regel zwei bis fünf Jungtiere. Nach einer Tragzeit von insgesamt etwa sieben bis acht Monaten (inklusive Keimruhe) kommen die Jungen blind und hilflos zur Welt. Die Mutter säugt die Jungtiere etwa acht Wochen lang. Erst nach etwa zwölf Wochen verlassen die Jungtiere erstmals den Bau und beginnen, die Umgebung zu erkunden. Die Fürsorge durch die Mutter ist während der ersten Monate sehr intensiv und entscheidend für das Überleben der Jungtiere.
Der Dachs unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz (BJagdG), insbesondere § 2 Abs. 1 BJagdG, nach dem er als jagdbares Wild gilt. Die Jagdzeiten sind landesrechtlich geregelt und können variieren. In vielen Regionen steht der Dachs jedoch unter besonderem Schutz, und die Jagd ist zeitlich stark eingeschränkt oder verboten, um die Population zu erhalten. Zudem ist nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) das Töten, Fangen oder Stören von Dachsen außerhalb der festgelegten Jagdzeiten verboten.
Der Dachs ist ein opportunistischer Allesfresser (Omnivore). Seine Nahrung setzt sich aus Regenwürmern, Insekten, kleinen Wirbeltieren, Früchten, Beeren, Wurzeln und Pilzen zusammen. Besonders Regenwürmer machen einen Großteil seiner Nahrung aus. Gelegentlich frisst der Dachs auch Aas und landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Mais oder Fallobst.
Dachse bevorzugen strukturreiche Lebensräume wie Laub- und Mischwälder mit reichlich Unterwuchs, Heckenlandschaften, Wiesen und Feldränder. Sie legen weit verzweigte Erdbauten (sog. „Burgen“) an, die oft über Generationen hinweg genutzt und erweitert werden. Auch in der Nähe menschlicher Siedlungen kommen Dachse vor, sofern ausreichend Nahrung und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind.
Die Aufzucht verwaister oder verletzter Dachse in Wildtierauffangstationen stellt besondere Herausforderungen dar. Jungtiere benötigen intensive Betreuung, artgerechte Ernährung und ausreichend Platz zur Entwicklung ihrer natürlichen Verhaltensweisen. Die Auswilderung erfolgt, wenn die Tiere selbstständig Nahrung aufnehmen, ein geeignetes Gewicht erreicht haben und instinktives Verhalten wie Graben und Nahrungssuche zeigen. Ziel ist die Wiedereingliederung in einen geeigneten Lebensraum, wobei der Kontakt zu Menschen auf das Notwendigste beschränkt wird, um eine erfolgreiche Auswilderung zu ermöglichen.